
Yalda Afsah: Temper

Ob spirituelle Zeremonien, saisonale Feste oder initiatorische Übergangsriten – Bräuche zählen zu den ältesten kollektiven Praktiken der Menschheit. Sie schaffen temporäre Gemeinschaften, strukturieren Emotionen und ermöglichen Formen von Zugehörigkeit, die sich rationaler Erklärung oft entziehen. Zugleich können sie eng mit Ausschluss, Disziplinierung und Gewalt verbunden sein.
Yalda Afsah bewegt sich in ihrer neusten Werkreihe genau in diesem Spannungsfeld. Sie untersucht Rituale als soziale und körperliche Choreografien, in denen sich universelle Fragen von Macht, Identität und Gemeinschaft verdichten. In ihrer Einzelausstellung im Kunsthaus Hamburg werden die Filme JARRAMPLAS, PAN und HEAT erstmals zusammen präsentiert. Entstanden aus Recherchen zu lokalen Ritualpraktiken in Spanien, Bulgarien und Taiwan, zeigen die Arbeiten, wie sich soziale Ordnungen und kollektive Affekte in performativen Handlungen manifestieren.
Während JARRAMPLAS ein Ritual im spanischen Bergdorf Piornal als ambivalentes Spiel kollektiver Aggression und Zuschauerschaft erfahrbar macht, entfaltet PAN eine vielschichtige Choreografie zwischen Spiritualität, Körperdisziplin und Gemeinschaft im bulgarischen Rila-Gebirge. Yalda Afsahs neuster Film HEAT ist dem taiwanesischen Handan-Feuerwerksfestival gewidmet und wird erstmals im institutionellen Kontext gezeigt. Die Künstlerin richtet hier den Blick auf eine ekstatische Zeremonie, die Glaubensvergewisserung, Mutprobe und spirituelle Reinigung in einer intensiven Verdichtung von Licht, Klang und körperlichem Erleben verbindet.
Yalda Afsah beobachtet die Prozesse mit großer Nähe und zugleich mit kritischer Distanz – und macht sichtbar, wie fragil und widersprüchlich die Systeme sind, die Gemeinschaften hervorbringen. Die Ausstellung eröffnet damit eine präzise künstlerische Untersuchung von Bräuchen als kollektive Erfahrungen in der Gegenwart.
Kuratiert von Anna Nowak
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