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Kunstverein in Hamburg

Ausstellungen

CARNIVALESCA - Was Malerei sein könnte

6.3. - 2.5.2021

CARNIVALESCA – Was Malerei sein könnte

 

Firelei Báez, Semiha Berksoy, Anna Betbeze, Anna Boghiguian, Hugo Canoilas, Beatriz González, El Hadji Sy, Donna Huanca, Helen Johnson, Lee Kit, Victor Man, Thao Nguyen Phan, Khalil Rabah, Raphaela Vogel

Mit der Gruppenausstellung CARNIVALESCA wollen wir einen Dialog mit einer traditionellen Kunstform führen – der Malerei. Für unsere Annäherung an sie verwenden wir das Wort Karneval, weil es Ausgelassenheit und Freude bedeutet, hinter ihm zugleich aber auch eine gewisse Unsicherheit, ja, sogar Melancholie aufscheint. Der Karneval ist eine ursprünglich westlich-christliche, bis in die Antike zurückreichende Zeit des Feierns und hat auf der ganzen Welt unzählige synkretistische und kulturelle Transformationen erlebt. Als soziale Transformation oder auch als Instrument unterschiedlicher Gruppen lenkt der Karneval die Aufmerksamkeit auf Konflikte und Missverhältnisse. Wir hoffen, diese Bedeutung auf eine Diskussion über zeitgenössische Malerei übertragen zu können.

Die Malerei in der westlichen Hemisphäre scheint von einer Reihe unausgesprochener Regeln beherrscht zu werden. Sie begrenzen den Einfluss, den sie in unseren ästhetischen Diskursen haben könnte. Der Kunstkritiker Clement Greenberg hatte eine äußerst rigide Vorstellung von ästhetischer Erfahrung und ihrer Autonomie. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Paradigma der westlichen Malerei und besteht bis heute latent fort. Um es klar und deutlich zu sagen: Greenberg lehnte die soziale Rolle der Kunst grundsätzlich ab. Die Wirkungen, die von einer solchen Malerei ausgingen, prägten dabei in ganz wesentlicher Weise den Kunstmarkt, und sie tun das bis heute.

Wie ihr Titel schon andeutet, erweitert diese Ausstellung den Rahmen der Betrachtung, um einen anderen Blick auf die Malerei zu werfen und eine Reihe von Aspekten zur Diskussion zu stellen. Sie wird den Blick auf die Malerei erweitern und internationale Künstler*innen wie Entwicklungen der Malerei von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart ins Zentrum der Betrachtung stellen, die in westlichen Veranstaltungsorten lange Zeit vernachlässigt wurden. Unsere Ausstellung wird Fortschritte hervorheben, die von einer jüngeren Generation von Künstler*innen gemacht wurde, die die Grenzen der Malerei weit über den bloßen Rahmen und die Leinwand ihrer Bilder hinaus verschoben und auf die Auseinandersetzung mit dem Sozialen und Politischen ausgedehnt haben. Und sie wird eine zeitgenössische Szene internationaler Malerei in der Vielfalt ihrer künstlerischen Ansätze beleuchten, die Diversität ihres diskursiven Engagements im Medium der Malerei demonstrieren und die Art und Weise, wie diese Malerei einer Vielzahl individueller Ausdrucksformen wie Performance, Bewegtbild, Skulptur, etc. kulturübergreifend Form und Gestalt verleiht.

Schließlich wird auch deutlich, dass die Geschichte der Malerei als eine Reihe von Konflikten, Auseinandersetzungen und widersprüchlichen Entwicklungen erzählt werden muss, von denen viele bis heute in starkem Maße ungelöst sind. Jeder Versuch zu verstehen, was die Malerei sein könnte, muss dieser Komplexität sowohl in historischer als auch in zeitgenössi- scher Hinsicht Rechnung tragen. Diese Ausstellung beleuchtet daher die sehr unterschiedlichen Formen engagierter malerischer Praxis in gleichberechtigter Weise. Ganz im Geiste des Karnevals, der alle Hierarchien infrage stellt zugunsten einer Vielzahl von Positionen und Haltungen. Wir schlagen vor, die Malerei nicht als ordentlichen und strukturierten Diskurs zu betrachten. Was vielmehr ein solches „Medium“ oder eine solche „Disziplin“ im heutigen nicht-disziplinären Feld der Kunst ausmacht, ist ein karnevalesker Raum. Einer, in dem das Performative, Körper, Künstler*innensubjekte und ihre Gesten sowie ihre vielfältigen, globalen Geschichten und Bedeutungen formal gleichberechtigt sind und in der wir auf spielerische und künstlerische Weise unserem gemeinschaftlichen Leben einen Sinn geben.

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