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Hamburger Kunsthalle

Ausstellungen

TOYEN

24.09.21 - 13.02.22

TOYEN ist einzigartig unter den starken Frauen, die im  Herzen des Surrealismus arbeiteten. Sie wirkte hier als Pionierin und ist zudem die bedeutendste tschechische Künstlerin des 20. Jahrhunderts. Marie Čermínová (1902-1980) wählte früh ihr vom französischen »Citoyen« (Bürger*in) abgeleitetes Pseudonym und kündigte als lebenslange Grenzgängerin nicht nur Geschlechter-Zuordnungen auf. André Breton feierte die Surrealistin für ihr bewegendes malerisches und zeichnerisches Werk, das sie zwischen der »magischen Hauptstadt Europas« Prag und dem Exil in Paris unbeirrbar entwickelte. TOYENs so poetische wie provokante Bilder oszillieren zwischen Realität und Imagination, Verführerischem und Abgründigen und prägen sich tief ins Gedächtnis ein. Sie sind eine Entdeckung.

Die Entwicklung des Werkes

Schon Anfang der 1920er Jahre hatte TOYEN eine wichtige Position innerhalb der tschechoslowakischen Avantgarde. Während Arbeitsaufenthalten in Paris nimmt sie mit technischen Experimenten Verfahrensweisen der informellen Malerei der 1950er-Jahre vorweg. In ihrem Einstehen für die Bedeutung von Revolte, Traum, Erotik und Poesie nähert sich TOYEN dem Surrealismus, 1934 ist sie Gründungsmitglied der Surrealist*innengruppe der ehemaligen Tschechoslowakei. Die persönliche Begegnung mit André Breton, der sie als »mon amie entre les femmes« bezeichnen wird, sowie weiteren führenden Surrealisten 1935 in Paris wie Max Ernst, Yves Tanguy, Benjamin Péret, Salvador Dalí, Man Ray und anderen bestärken TOYEN auf ihrem künstlerischen Weg und begründen ihre lebenslange Verbundenheit mit der Gruppe.

Als 1939 die Prager Surrealisten durch die »Protektoratsgesetze« der deutschen Besatzungsmacht in den Untergrund getrieben werden, entstehen eindrückliche Zeichnungszyklen, in denen TOYEN die Sinnlichkeit des Hörens, Sehens und Fühlens in einer erschreckenden, isolierten Lebenswelt beschwört. Nach der Machtübernahme der Kommunisten in Prag Anfang 1948 emigriert TOYEN nach Paris. Aufgrund der politischen Entwicklung in ihrer Heimat wird sie nie mehr in diese zurückkehren, sondern arbeitet in Paris im Herzen der surrealistischen Gruppe weiter. Bis zu ihrem Lebensende sucht sie den kreativen Austausch mit der jüngeren Generation von Maler*innen und Dichter*innen der Bewegung.

Die Bedeutung der Künstlerin

Obwohl TOYEN in sechzig schöpferischen Jahren und bis ins hohe Alter künstlerisch radikal und in der Reflexion der Rolle der Frau wie der eigenen Erotik wegweisend ein umfangreiches malerisches und zeichnerisches Œuvre schuf, obwohl sie zeichnend, collagierend und malend neuartige Motive und Verfahrensweisen erfand, die den Surrealismus auf einzigartige Weise bereichern, geriet sie in den letzten 20 Jahren ihres Lebens in Vergessenheit und sie verstarb 1980 in Paris unbemerkt.

Die Hamburger Kunsthalle erkundet TOYEN aus heutiger Sicht, da die von ihr erlebten und künstlerisch thematisierten existentiellen Fragen nach Freiheit, nach gesellschaftlicher, politischer, sexueller und künstlerischer Identität und dem Ausloten von gesellschaftlich vorgegebenen Grenzen heute wieder besonders aktuell sind.

Die Ausstellung

Die erste monografische Vorstellung der Künstlerin präsentiert über 300 Exponate aus allen Schaffensphasen, darunter etwa 120 Gemälde, sowie Zeichnungen, Illustrationen und Druckgraphiken, Collagen, illustrierte Bücher und eine Vielzahl von persönlichen Dokumenten und Fotografien, die das außergewöhnliche Leben in seinem Umfeld nacherleben lassen. Anhand dieser vielzähligen Medien werden auch ihre grenzverschiebenden Kombinationen von Medien deutlich, so zwischen Malerei und Collage, Poesie und Illustration, freier und angewandter Kunst.

Der künstlerische und persönliche Werdegang TOYENS sowie die Einflüsse politischer Ereignisse und verschiedener Kulturen macht die Schau in chronologischer Folge und mit vertieften Einblicken in einzelne künstlerische Phasen sichtbar. Wiederkehrende Themen wie Erotik, Verhüllung, Humor oder Alchemie bilden eigene Themeninseln.

Weitere Infos:

Bild 1: Toyen (1902-1980), um 1919, Fotograf*in unbekannt
Bild 2: Toyen (1902−1980), Magnetová žena / Magnetische Frau / Magnetic Woman, 1934, Sammlung Géraldine Galateau, Paris, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: © Collection Géraldine Galateau, Paris
Bild 3: Toyen (1902−1980), Le Paravent / Der Paravent / Screen, 1966, Musée d’Art Moderne de Paris, Paris Musées, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: © Musée d'Art Moderne / Paris Musées

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