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Hamburger Kunsthalle

Ausstellungen

DE CHIRICO.
Magische Wirklichkeit

22.01.21 – 24.05.21

Erstmalig ist in Hamburg mit Magische Wirklichkeit eine Ausstellung zu dem italienischen Künstler Giorgio de Chirico (1888-1978) zu sehen, der als Begründer der Pittura Metafisica zu einem der wichtigsten Vorläufer des Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit wurde.

Im Zentrum der groß angelegten Schau steht mit der metaphysischen Malerei die bedeutende Werkgruppe, welche de Chirico zwischen 1909 und 1919 schuf. Die ikonischen Bilder von sonnendurchfluteten, leeren Plätzen, in denen die Zeit still zu stehen und das scheinbar Alltägliche mit einer neuen Bedeutung aufgeladen scheint, wirken heute besonders eindringlich und aktuell. Die Hamburger Kunsthalle präsentiert eine bislang ungesehene Qualität und Dichte dieser teils zuvor kaum gereisten Meisterwerke aus über 50 Sammlungen weltweit: Darunter sind namhafte amerikanische und europäische Institutionen wie das Museum of Modern Art und die Pierre and Tana Matisse Foundation in New York, das Art Institute of Chicago, das Chrysler Museum of Art in Norfolk, Virginia, die Menil Collection Houston oder das Philadelphia Museum of Art, die Peggy Guggenheim Collection in Venedig, die Tate London und das Moderna Museet in Stockholm sowie verborgene Privatsammlungen unter anderem aus Italien und der Schweiz. Insgesamt sind über 80 Meisterwerke von de Chirico, Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Alberto Magnelli, Alexander Archipenko, Pablo Picasso sowie von Arnold Böcklin und Max Klinger zu entdecken. Dies ist trotz der derzeit durch die Pandemie vorherrschenden Einschränkungen und nur durch eine jahrelange Recherche und kollegiale Zusammenarbeit auch in Krisenzeiten möglich geworden.

In der Ausstellung werden die magisch wirkenden Bilder de Chiricos – und in seiner Folge Carlo Carràs und Giorgio Morandis – präsentiert, die eine Realität jenseits des Scheins sichtbar machen wollten und damit die Grundlagen für eine »andere Moderne« legten. Zugleich werden die Quellen dieser neuen Haltung und die Bedeutung der verschiedenen kulturellen Einflüsse Europas auf den in Griechenland geborenen und vielgereisten italienischen Künstler nachvollziehbar: die griechischen Mythen, mit denen er aufwuchs; die Auseinandersetzung mit der deutschen Philosophie – unter anderem von Friedrich Nietzsche – und mit Hauptwerken der deutschen Spätromantik während seiner Studienzeit in München; die Licht- und Raumerfahrungen auf italienischen Plätzen; die Begegnungen mit der französischen Avantgarde in Paris und schließlich sein Militärdienst in Ferrara. Vor dem Hintergrund ihres herausragenden Bestands an Werken deutscher Spätromantik kann die Hamburger Kunsthalle spezifisch die frappierenden Einflüsse von Arnold Böcklin und von Max Klinger auf de Chirico darlegen.

In dieser einzigartigen Verbindung verschiedenster europäischer Einflüsse und im Angesicht des Ersten Weltkriegs wie der Pandemie der Spanischen Grippe sucht de Chirico mit seinen geheimnisvollen, realistisch-präzise präsentierten Möglichkeitswelten Unsichtbares sichtbar zu machen. Er lässt eine andere Welt jenseits des Scheins erahnen. Ihre intensive Stimmung wird erschaffen durch überscharf gezeichnete, kulissenartige Objekte und Menschen, die wie Puppen in perspektivisch übersteigerten, traumhaft mediterran wirkenden, nur mit Sonnenschein und bodenlosen Schatten gefüllten Räumen agieren. Brunnen oder große Uhren verweisen auf die ewige Wiederkehr des Gleichen und hinterfragen das Konzept der Zeit wie des Raumes. De Chiricos Bildsprache entlarvt die Doppeldeutigkeit der Zeichen. Sie zeigt das Scheinbare unserer Realität auf. Diese Vieldeutigkeit, die Virtuosität und die vorweggenommene Virtualität beeindrucken heute besonders, zumal sich die Raum-, Zeit- und Bilderfahrungen von menschenleeren, unheimlich wirkenden Plätzen 2020 durch die weltweiten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen aktualisiert haben. So können die 100-jährigen Meisterwerke heutigen Betrachter*innen auch als Spiegel dienen, um die Erfahrungen mit der eigenen aktuellen – äußeren wie inneren – Wirklichkeit zu reflektieren.

Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog erschienen, der zahlreiche Essays von international renommierten Expert*innen beinhaltet. Er legt neueste Forschungsergebnisse zu de Chiricos Lebensumständen vor, die zur Entwicklung der Metaphysischen Malerei wie zu den Einflüssen der deutschen Spätromantik und Philosophie führten. Die Publikation (Hirmer Verlag GmbH, München) ist im Museumsshop zum Preis von 29 Euro erhältlich und kann online für 34, 90€ zzgl. Porto über www.freunde-der-kunsthalle.de bestellt werden.

DE CHIRICO. Magische Wirklichkeit ist in einer erstmaligen Kooperation der Hamburger Kunsthalle mit den Pariser Musées d’Orsay et de l’Orangerie entwickelt worden. Die dort unter enormen Besucher*innenzuspruch gezeigte Schau wird in Hamburg in erweiterter Fassung präsentiert, reflektiert auch die Ursprünge der Arte Metafiscia und macht deren Kennzeichen durch eine atmosphärisch dichte Rauminszenierung erfahrbar.

 

Sponsor: GENERALI DEUTSCHLAND
Gefördert von: Hubertus Wald Stiftung, Freunde der Kunsthalle e. V., Behörde für Kultur und Medien Hamburg

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik.

Kulturpartner: NDR Kultur
Medienpartner: Hamburger Abendblatt
Mobilitätspartner: MOIA

 

Bild 1: Giorgio de Chirico (1888–1978), Das Gehirn des Kindes [Der Wiedergänger] (Le Cerveau de l'enfant [Le Revenant]), 1914, Öl auf Leinwand, 80 x 65 cm, Moderna Museet, Stockholm, erworben 1964 (The Museum of Wishes), © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: © Moderna Museet / Stockholm

Bild 2: Giorgio de Chirico (1888–1978), Der Lohn des Wahrsagers (La Récompense du devin), Juni-Juli 1913, Öl auf Leinwand, 135,6 x 180 cm, Philadelphia Museum of Art, Louise and Walter Arensberg Collection, 1950, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Artists Rights Society (ARS), New York / SIAE, Rome, Foto: © Philadelphia Museum of Art, Louise and Walter Arensberg Collection

Bild 3: Giorgio de Chirico (1888–1978), Der Wahrsager (Le Vaticinateur), Winter 1914/15, Öl auf Leinwand, 89,6 x 70,1 cm, The Museum of Modern Art, New York, Nachlass James Thrall Soby, 1979, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: © The Museum of Modern Art, New York / Scala, Florence

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ÖFFNUNGSZEITEN:

Di. bis So. 10 – 18 Uhr
Do. 10 – 21 Uhr,
vor Feiertagen: 10 – 18 Uhr
Mo.: Geschlossen

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KONTAKT:

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+49 40 428 13 12 00
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hamburger-kunsthalle.de

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Di.11 Uhr, Mi. 12 Uhr, Do. 19 Uhr
Sa. 11 und 15 Uhr
So. 12 und 15 Uhr

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Bus 112 Kunsthalle

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