VON UND MIT   BUCERIUS KUNST FORUM / DEICHTORHALLEN HAMBURG / HAMBURGER KUNSTHALLE / KUNSTVEREIN IN HAMBURG / MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE HAMBURG

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Exhibitions

ALLES KNETEN.
Metamorphose eines Materials

7.6.19 - 3.12.19

Knete – kaum ein anderes Material entfaltet so viel kreatives Potenzial wie dieses aus Wasser, Öl, Stärke, Wachs und Farbpigmenten. Weich und mühelos formbar ist die Modelliermasse (auch Plastilin genannt) nicht nur für Kinderhände gemacht, sie spielt auch in vielen gestalterischen Bereichen eine bedeutende Rolle. Die Ausstellung ALLES KNETEN. Metamorphose eines Materials widmet sich dem faszinierenden Werkstoff in Film, Kunst und Design von den 1950er-Jahren bis in die zeitgenössische Popkultur. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) präsentiert über 60 internationale Arbeiten, darunter Animationsfilmklassiker, Publikumslieblinge wie Shaun das Schaf oder Nightmare before Christmas nach einer Idee von Kultregisseur Tim Burton, legendäre Musikvideos wie Peter Gabriels Sledge-hammer, Experimental-, Kurz- und Werbefilme sowie Computerspiele. Überraschende Plastiken, Installationen und Fotografien zeigen die Bedeutung der Knete für die zeitgenössische Kunst. Die vielseitige Verwendung dieses wandel-baren Materials in der angewandten Kunst dokumentieren Exponate aus dem Modellbau, dem Produktdesign und der Maskenbildnerei. Die Schau richtet sich damit an Filmfans, Kunst- und Designinteressierte, Familien und alle, die Knete wieder- oder neu entdecken möchten: Ein imposanter, 12 Meter langer Werktisch mit Plastilin in verschiede-nen Farben lädt kleine und große Besucher*innen ein zum gemeinsamen Gestalten und Animieren.

Animation
Knete bietet aufgrund ihrer Materialeigenschaften viele Gestaltungsmöglichkeiten für Figuren, Gegenstände und Kulissen. Animationstechniken wie das Stop-Motion-Verfahren erwecken die unbewegten Bilder zum Leben. ALLES KNETEN versammelt zahlreiche Filme, die auf diese Weise entstanden sind – allen voran Klassiker der Animationsgeschichte, die schon früh die besondere Ausdruckskraft von Knete würdigten wie Closed Mondays (1974)der Regisseure Will Vinton und Bob Gardiner, Dimensions of Dialogue (1982) von Jan Švankmajer oder Bruce Bickfords Prometheus‘ Garden (1988). Die beliebten Charaktere Wallace & Gromit (ab 1993, Nick Park) und Shaun the Sheep (2007, Richard Goleszowski) aus der britischen Kreativstätte Aardman Animations prägen Kindheitserinnerungen ganzer Generationen – ähnlich wie die schweizerische Animationsserie Pingu (ab 1986, Otmar Gutmann). Bedeutende Kurz- und Experimentalfilme wie Harvie Krumpet von Adam Elliot (2003), Hasta los Huesos (2001) von René Castillo und Animationen einer jüngeren Generation wie Liebling (2013) von Izabela Plucinska zeigen das ganze Spektrum des Materials Knete abseits der gängigen Konventionen.

Musik
In Musikvideos verleiht Knete der visuellen Sprache eine neue Dimension und macht Klänge, Melodien und Rhyth-men sichtbar. Bereits Art Clokeys frühe Animationsstudie Gumbasia (1955) erprobt den Gleichklang von Musik und Form, den Bruce Bickford gemeinsam mit Frank Zappa im Musikfilm Baby Snakes (1979) später experimental inter-pretiert. Die im Strata-Cut-Verfahren hergestellten Videos und Einspieler von David Daniels prägten im Zuge der Etablierung des Musikfernsehens durch den Sender MTV um 1980 mehrere Generationen von Musikfans. Bei dieser Technik werden die Bildideen vorab in Plastilinblöcke eingearbeitet und später im Querschnitt abgetragen. Die farbigen Schnittflächen weisen daher geringe Abweichungen auf, die als Einzelbild aufgenommen und in der Abfolge animiert werden. Die Knet-Ästhetik findet sich bis heute im Genre des Musikvideos, das vom wegweisenden Clip zu Peter Gabriels Sledgehammer (1986, Aardman Animations) bis zu herausragenden zeitgenössischen Arbeiten wie Forest (2009) von Allison Schulnik für die Band Grizzly Bear eindrucksvolle Kompositionen hervorbringt.

Kunst
Formbare Materialien haben in der Entstehung von Kunstwerken eine lange Tradition, beim Modellieren wird die Masse durch Auf- und Abtragen manuell bearbeitet. Mit der Ende des 19. Jahrhunderts von Franz Kolb entwickelten „dauerplastischen Modelliermasse“ Plastilin kommt mit der Verformbarkeit eine weitere Qualität hinzu. Die haptischen Eigenschaften von Knete wecken Lust am Formen und Gestalten und ermöglichen sofortige Korrekturen, die Zugabe von Farbpigmenten erlaubt eine Art dreidimensionale Malerei. Das moderne Spektrum der künstlerischen Ausdrucks-formen beschränkt sich nicht nur auf das Erarbeiten vollplastischer Figuren oder Reliefs, sondern weitet sich auch auf andere Disziplinen aus. Der Künstler Marlin van Soest verarbeitet seine Studien zur Hamburger Flint Werft zunächst in Illustrationen und Fotografien, bevor er sie maßstabsgetreu in ofenhärtendes Plastilin überträgt. Szenen und Figuren aus Brigette Hoffmans Werk Pommes Redemption (2018) nehmen Bezug auf das Western-Genre und zeichnen sich in ihrer Umsetzung durch expressive Farbgestaltung und cartoonhaftes Charakterdesign aus. Alltag und Popkultur sind auch Fundus für die künstlerische Arbeit von Beni Bischof, der vorgefundenes Bildmaterial mit Plastilin humorvoll manipuliert. Die Mixed-Media-Werke von Bertold Stallmach sind eigenständige Kunstwerke und zugleich Filmkulisse, während Una Szeemann & Bohdan Stehlik mit den Dark Movies (2006-2007) nachgeknetete Filmbilder fotografisch inszenieren. Der Nachbau einer Bar durch den Künstler Henrik Jacob zeigt als Installation in der Ausstellung eindrucksvoll, welche räumliche Präsenz Knete entfalten kann.

Design
In Design, Handwerk und Technik sind Modelliermassen wie Plastilin oder Industrie-Clay trotz der inzwischen etab-lierten 3D-Drucktechnik als manuelle Entwurfs- und Gestaltungsverfahren noch immer weit verbreitet. Die in der Ausstellung präsentierten Modelle und Vorstudien der Auto- und Spielzeugindustrie sowie der Maskenbildnerei demonstrieren die Bedeutung des Materials in der gewerblichen Verwendung. Im Animationsdesign ist Knete auf-grund ihrer typisch „handgemachten“ Ästhetik beliebt. So stehen die Arbeiten von Brigitta Garcia López beispielhaft für die innovative Verwendung der Modelliermasse im Bereich der Illustration und des Grafikdesigns. Werbeclips für große, internationale Konzerne wie Coca Cola und Anwendungen aus dem Gamedesign zeigen die Spielarten des Materials in weiteren Kontexten.

ALLES KNETEN. Metamorphose eines Materials ist eine Ausstellung des Gewerbemuseum Winterthur/Schweiz, kuratiert von Susanna Kumschick. Dort wurde sie 2016 unter dem Titel Plot in Plastilin gezeigt.

Bild 1: Ausstellungsansicht 1, Foto: Henning Rogge

Bild 2: Computerspiel “Sprechendes ABC”, 2018, Entwicklerstudio: Hey Clay, Plattform: iOS, © Hey Clay    

Bild 3: Ausstellungsansicht 3, Foto: Henning Rogge

Bild 4: Richard Goleszowski (*1959) & Christopher Sadler (*1970), Shaun the Sheep – Saturday Night Shaun, 2006, Animationsfilm, 7 Min., Animation: Aardman Animations, © Aardman Animations

Bild 5: Lee Hardcastle (*1985), Tidal Wave/Portugal. The Man, 2018, Musikvideo, 3:30 Min., © Portugal. The Man

Bild 6: Ausstellungsansicht 5, Foto: Henning Rogge

Other Exhibitions

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

OPENING HOURS:

Tuesday to Sunday – 10 a.m. to 6 p.m.
Thursday – 10 a.m. to 9 p.m.

CONTACT:

Steintorplatz / directly at the main station
20099 Hamburg

+49 40 428 13 48 80
service@mkg-hamburg.de
mkg-hamburg.de


GUIDED TOURS:

Thursday – 7 p.m.
Saturday – 3 p.m.
Sunday – 12 a.m.  
Further information

GETTING THERE:

S/U Hauptbahnhof 
Bus ZOB

Use the journey planner of the Hamburg Transport Association, if you would like to use means of public transportation.

HVV JOURNEY PLANNER

Many hire stations for city bikes on the Kunstmeile offer facilities round the clock for hiring and returning a StadtRAD.

STADTRAD-PORTAL