21. April - 18. Juni
Georgia Gardner Gray, Clingy Punk, 2017Georgia Gardner Gray, Clingy Punk, 2017

In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung zeigt die Malerin Georgia Gardner Gray (*1988, New York, USA, lebt und arbeitet in Berlin) neue mittel- und großformatige Malereien und skulpturale Zeichnungen. Diese Arbeiten werden im Ausstellungsraum um die Erzählung eines Theaterstücks inszeniert, das sie in Anlehnung an die Komödie des französischen Dramatikers Molières eigens für den Kunstverein entwickelt.

Wie Molière stellt Gardner Gray in ihren bunt schillernden Gemälden bestehende gesellschaftliche Konventionen auf den Prüfstand. In der Tradition des klassischen Genrebildes malt sie Alltagsszenen und schildert gegenwärtige Lebensstile durch stilisierte Figurenkonstellationen. In der neu entstandenen Serie zeigt die Künstlerin Außenseiterfiguren wie Punks, Groupies oder Straßenmusiker, die aus dem Müllcontainer gefischte Croissants essen und sich durch akzeptierte, traditionell non-konforme Verhaltensweisen der gültigen Etikette und dem Mainstream verweigern. Des Weiteren debattiert sie Geschlechterhierarchien, männliche und weibliche Laster und festgeschriebene Rollenzuweisungen: Mal ist es die unzufriedene Intellektuelle, mal das coole von Jungs ignorierte Schulmädchen, mal ein verkatertes Paar mit Spuren von Kokain und Aspirin auf dem Nachttisch als Folgen einer Party. Gardner Gray versteht die unkonventionelle Haltung der Bohème als prototypisch für die aktuelle Entwicklung einer Gesellschaft, die permanente Veränderungen und experimentelle Lebensformen zum Standard erhoben und nun mit der Ambivalenz zwischen Selbstbestimmung, Haltung und Freiheit umzugehen hat.

In Anlehnung an Molières Einakter Die lächerlichen Preziösen hat Gardner Gray für die Ausstellung im Kunstverein ein kurzes Theaterstück entwickelt, das in der Ausstellung uraufgeführt wird. Während ihre Gemälde den Wertewandel einer postmaterialistischen Gesellschaft im Zeitalter von Globalisierung kritisch verhandeln, inszeniert sie im Stück die häusliche Szenerie eines tyrannischen und zugleich brillanten kleinen Mädchens. Humoristisch erzählt sie die Geschichte von der imaginären Welt des Kindes, eines einfachen Elternhauses, gegen dessen feste Normen und schlichte Gepflogenheiten sie sich durch geistreiche Konversation und Witz auflehnt. Die Handlung beginnt mit leichten Verstrickungen und Intrigen und befasst sich dann mit psychologischen Abgründen der Angst, Schuld und Sühne.

Georgia Gardner Gray hat an der Cooper Union in New York studiert. Ihre Arbeiten wurden 2016 erstmals in einer Einzelausstellung im Projektraum Acud Macht Neu, Galerie Berlin gezeigt. Gardner Gray war unter anderem in den Gruppenausstellungen Monday is a Day between Sunday and Tuesday, Tanya Leighton Galerie, Berlin (2017), New Theater: Selected Plays, Whitney Museum of American Art, New York (2015), The Pipe at the Gates of Dawn, Galerie Jan Kaps, Köln (2014), vertreten.

Kuratiert von Anna Nowak.

Die Ausstellung entsteht mit freundlicher Unterstützung der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, der Hamburgischen Kulturstiftung und der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst.